Endometriose den Kampf ansagen
Endometriose den Kampf ansagen
Schätzungen zufolge haben etwa 10 % der Menschen, die einen Uterus haben oder hatten, Endometriose. Endometriose ist eine extrem schmerzhafte, chronische Krankheit, bei der Gewebe, das dem der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Endometriose beeinträchtigt die Lebensqualität vieler Menschen über Jahrzehnte ihres Lebens hinweg.
Bis zur Diagnose und somit zu einer angemessenen Behandlung vergehen in Deutschland durchschnittlich zehn Jahre. Für Endometriose gibt es keine Heilung, die Ursache der Krankheit ist unbekannt und Behandlungen gehen oft mit starken Nebenwirkungen einher. All dies liegt vor allem daran, dass die chronische Erkrankung kaum erforscht ist.
In Frankreich wurde kürzlich eine nationale Strategie Endometriose angekündigt. In Australien wird eine solche Strategie bereits umgesetzt. Dies ist auch in Deutschland dringend notwendig.
Daher fordern wir die Bundesregierung auf, eine “Nationale Strategie Endometriose” zur Verbesserung der Lage von Endometriosebetroffenen zu erstellen und umzusetzen. Diese Strategie muss unter anderem beinhalten:
1. Eine bundesweite Aufklärungskampagne
Jede Form von chronischem und zyklischen Schmerz muss durch die von Endometriose Betroffenen und das soziale Umfeld als Warnsignal erkannt und durch Fachärzt:innen angemessen untersucht und behandelt werden. Deswegen bedarf es einer bundesweiten Aufklärungskampagne zum Themenbereich Menstruationsbeschwerden und Endometriose. Zusätzlich sollen Gynäkologinnen im Rahmen ihrer verpflichtenden Fortbildung einen Pflichtteil zum Thema Endometriose absolvieren müssen um die Krankheit schneller erkennen und effizienter behandeln zu können. Die Umsetzung der Kampagne erfolgt sowohl, über die klassischen Werbewege, wie Plakate und Flyer, als auch digital, beispielsweise über die Social-Media-Auftritte des Ministeriums und die Einführung eines bundesweiten jährlichen Aktionsmonats zu Endometriose ab dem Jahr 2023. Zur Finanzierung der Maßnahmen soll ein jährlicher Etat für die Aufklärung von Endometriose für die „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ durch das Bundesministerium für Gesundheit eingeführt werden. Dieser Etat soll als Untertitel des Haushaltstitels „Gesundheitliche Aufklärung der Bevölkerung“ geführt werden.
2. Bundesweite Fördergelder für die Forschung
Im Verlauf der letzten 20 Jahre wurde für die Erforschung von Endometriose ein Etat von 500.000 € bereitgestellt. Dies ist für die Forschung an einer Krankheit, die eine von zehn Frauen betrifft bei weitem nicht ausreichend.
Die Ursachen von Endometriose müssen adäquat erforscht werden. Es müssen Therapieansätze entwickelt werden, die die Krankheit selbst und nicht lediglich ihre Symptome behandelt. Zudem muss die Diagnostik der Erkrankung durch finanzielle Förderung weiter erforscht werden, da gegenwärtige Verfahren zu einer gesicherten Diagnose oftmals mit langen Wartezeiten und weiteren Risiken verbunden sind.
Dafür soll ein Deutsches Zentrum für Endometrioseforschung aufgebaut werden und die Forschung mit einem ausreichend großen Etat versehen werden.
3. Jährlicher Vaginal-Ultraschall als zuzahlungsfreie Kassenleistung
Wie bei jeder Erkrankung ist eine frühe Diagnose von Endometriose von Vorteil, um langfristige Schäden und Folgeerkrankungen zu verhindern und Fehlbehandlungen zu vermeiden. Eine Möglichkeit, um Endometriose erkennen zu können und vorläufige Diagnosen zu stellen, ist der Vaginal-Ultraschall. Dieser wird zum aktuellen Zeitpunkt von wenigen Kassen ohne Zuzahlung übernommen. Daher fordern wir den Aufbau von rechtlichen Rahmenbedingungen für die Durchführung eines jährlichen zuzahlungsfreien vaginalen Ultraschalls für alle Personen mit Uterus ab der J1-Untersuchung.