Sorgearbeit fair teilen!

Aus RotesNetz Baden-Württemberg
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Unbezahlte Sorgearbeit, also die Betreuung von Kindern, Hausarbeit und die Pflege von Angehörigen, ist zwischen den Geschlechtern nicht fair verteilt. Frauen erledigen einen erheblich größeren Teil dieser Aufgaben: Der Gender Care Gap beträgt 52 Prozent. In heterosexuellen Haushalten mit Kindern sogar 83 Prozent. Diese Lücke hat gravierende ökonomische und soziale Folgen: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit als Männer, sie gehen weniger Erwerbsarbeit als Männer nach. Dadurch sind Frauen oft nicht finanziell unabhängig und bei Trennung und im Alter nicht ausreichend abgesichert. Um den Gender Care Gap zu schließen und Sorgearbeit fair zu verteilen, fordern wir:

1) Eine Ausweitung der "Partnermonate" Um nach der Geburt eines Kindes auch langfristig eine geschlechtergerechte Übernahme von Sorgeverantwortung zu fördern, fordern wir, die Anzahl der sogenannten "Partnermonate" auf vier zu erhöhen. Gleichzeitig soll die Mindestdauer, die beide Partner*innen Elterngeld beantragen müssen, um die sogenannten "Partnermonate" zu erhalten, ebenfalls auf vier Monate erhöht werden.

2) Gleichstellungs- und familienorientierte Arbeitszeitmodelle Arbeitgeber*innen sollen Arbeitsprozesse unter Berücksichtigung familiärer

Anforderungen ihrer Beschäftigten gestalten. Phasen reduzierter Erwerbstätigkeit zur Übernahme von Sorgeverantwortung über den Lebensverlauf hinweg sollen für alle Geschlechter mit einem finanziellen Ausgleich und gesicherten Rückkehroptionen möglich und zur Normalität werden.

3) Kostenlose Kinderbetreuung in Kindertagesstätten und Kindergärten Um Familien mit kleinen Kindern, Alleinerziehende oder Menschen mit Unterstützungs- und Pflegebedarf zu entlasten, fordern wir zum bereits bestehenden Anrecht auf ein Kinderbetreuungsplatz, dass dieser kostenlos angeboten wird. So wird die qualifizierte Kinderbetreuung auch für Familien mit niedrigen Einkommen erschwinglich.

4) Entgeltersatzleistung und flexible Arbeitszeitarrangements für pflegende Angehörige

Wir fordern die Einführung einer Entgeltersatzleistung, die pflegende Angehörige bei reduzierter Arbeitszeit finanziell unterstütz und von zwei Angehörigen in Anspruch genommen werden kann. Beschäftigten mit pflegebedürftigen Angehörigen soll außerdem das Recht eingeräumt werden, flexible Arbeitszeitarrangements über den Zeitraum der Pflegetätigkeit in Anspruch zu nehmen und anschließend zum ursprünglichen Arbeitszeitmodell zurückzukehren, ohne berufliche Nachteile

5) Individualbesteuerung für alle Die Lohnsteuerklasse V setzt immer noch starke Anreize dafür, dass ein*e Partner*in in Teilzeit arbeitet. In heterosexuellen Beziehungen ist dies meistens die Frau. Das Ehegattensplitting muss abgeschafft werden.

6) Einführung der Familienstartzeit Um das zweite Elternteil so früh wie möglich in die Betreuung des Kindes einzubinden, fordern wir die Einführung einer zehntägigen, voll bezahlen Freistellung rund um die Geburt als eigenständige Leistung.