Didaktisch für Queerness - zeitgemäßer Biologieunterricht an Baden-Württemberger Schulen

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Didaktisch für Queerness - zeitgemäßer Biologieunterricht an Baden-Württemberger Schulen

Der Biologieunterricht und insbesondere die sexuelle Aufklärung haben aktuell große Lücken und vermitteln ein verzerrtes Bild von Geschlecht, sexuellen Identitäten und Sex. Zwei Schwerpunkte müssen dabei ergänzt werden, um diese Themen ausgewogener zu vermitteln:

Einerseits fordern wir, dass der Biologieunterricht, speziell der Sexualkundeunterricht künftig Sexualkundeunterricht künftig die Vielfalt der Lebensweisen, sexuellen Orientierungen und Geschlechter einbezieht. Dabei soll von dem überholten Bild der heteronormativen Zweigeschlechtlichkeit, das bisher gelehrt wird, abgerückt werden. Die Zielsetzung des feministischeren Unterrichts soll sein, die Schüler*innen, beginnend mit dem ersten Sexualkundeunterricht in der Grundschule, über die naturgemäße Existenz von unterschiedlichen sexuellen Identitäten und Geschlechtern aufzuklären und hierfür zu sensibilisieren. Dies soll unter anderem durch die Einführung gendersensibler Termini wie „sexuelle Orientierung“, „Geschlechtsidentität“ und „Trans- und Intergeschlechtlichkeit“ gefördert werden.

Wir fordern die verpflichtende Vermittlung folgender Inhalte:

Vielfalt der Geschlechterrollen, Geschlechtsidentitäten, sexuellen Orientierungen, diversen Formen des partnerschaftlichen und familiären Zusammenlebens.

Kritische Hinterfragung der gesellschaftlichen und medialen Darstellung von Sex und Gender, insbesondere auch von sexistischen Schönheitsidealen, die vor allem FINTA* betreffen.

Ferner führt die frühe Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten und Sexualitäten zu einem offeneren und toleranteren Klima in Schulen und der gesamten Gesellschaft für queere Personen. Nicht zuletzt werden so etwa Stigmata abgebaut und Schüler*innen für einen toleranteren und rücksichtsvolleren Umgang sensibilisiert.

Andererseits fordern wir, dass bei sexueller Aufklärung endlich mehr thematisiert werden muss, als Schwangerschaften und STIs. Sex hat vielfältige Ebenen von Lust und Liebe bis zu Macht und Kontrolle. Wo Sex auf einen körperlichen Akt reduziert wird, fehlt Verständnis für die weitreichende psychologische und gesellschaftliche Bedeutung. Ohne diese Ebenen können die realen Probleme und Bedrohungen wie sexualisierte Gewalt und Belästigung, die folgen, wenn komplizierte Themen wie Sex einseitig dargestellt und verstanden werden, weder richtig verstanden noch langfristig vorgebeugt werden. Dafür fordern wir die Vermittlung der folgenden Themen:

1. Psychische Relevanz von Sex

2. Selbstbefriedigung

3. Umgang mit Pornographie

4. Sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt

Schüler*innen müssen in einem geschützten Rahmen an diese Themen herangeführt werden, darüber diskutieren und insbesondere ihre eigenen Erfahrungen und Gefühle diesbezüglich austauschen und reflektieren können.

Zur Vervollständigung der Unterrichtsinhalte sollen externe Expert*innen für Beratungen und Workshops zur Sensibilisierung sowohl der Schüler*innen als auch der Lehrer*innen herangezogen werden. Dabei soll insbesondere auch Peer Education ermöglicht werden, d.h. Kooperation mit jungen Erwachsenen, die auf Augenhöhe mit Schüler*innen über diese Themen sprechen können.

Die Heranziehung externer Expert*innen dient dem Zweck, etwaige Hemmschwellen, die bedingt durch das Schüler*innen-Lehrer*innen-Verhältnis bestehen können, zu überbrücken. Außerdem können diese in vielen Fällen fachkundiger referieren.