Für ein faires Praktisches Jahr! Solidarität mit

Aus RotesNetz Baden-Württemberg
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Am Ende des Medizinstudiums steht das Praktische Jahr (PJ), welches Studierende nach einem theoriebetonten Studium auf den praktischen Berufseinstieg vorbereiten soll. Schon seit Jahren fordern Studierende und Verbände, vor allem die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. (bvmd), grundlegende Verbesserungen beim PJ, sowohl hinsichtlich der inhaltlichen Qualität als auch weiterer Rahmenbedingungen.

Zuletzt wurde im Rahmen von 13 Demonstrationen unter dem Motto #fairesPJ, welche am19.07.2023 bundesweit durchgeführt wurden, über die Forderungen berichtet. 4.200 Medizinstudierende aus ganz Deutschland sind dabei auf die Straße gegangen. Eine

entsprechende Petition nähert sich der 100.000er-Grenze. Die Lehre der Medizinstudierenden in den Kliniken ist nicht klar geregelt. Lernziele werden aktuell nicht systematisch erfasst und dokumentiert. Die Studierenden werden oft für nichtärztliche Routineaufgaben herangezogen, anstatt in die Versorgung der Patienten involviert zu werden. Darunter leidet die inhaltliche Qualität der Ausbildung, was dazu führt, dass die Studierenden am Ende des PJ nicht auf die ärztliche Tätigkeit vorbereitet sind. Studierende im PJ erhalten oftmals gar keine Aufwandsentschädigung. Wenn, dann meistens so wenig, dass sie hiervon nicht leben können. Sie sind auf externe Unterstützung, Stipendien oder einen Nebenjob neben dem Vollzeit-PJ angewiesen. Somit ist es ein Privileg weniger PJ-Studierender sich voll und ganz auf das PJ konzentrieren zu können. Hinzu kommt, dass Studierende im PJ keinen Urlaubsanspruch besitzen. Sie verfügen nur über 30 Fehltage, welche auch bei eigener Krankheit, Krankheit des Kindes oder Urlaub aufgebraucht werden. Da zwischen Ende des PJ und dem letzten Staatsexamen (M3) oft nur wenige Tage liegen, ist es zudem üblich, 20 der 30 Fehltage für die Prüfungsvorbereitung ans Ende zu legen. Dies führt dazu, dass PJler:innen krank arbeiten gehen, statt einen Fehltag zu verbrauchen, was ein Risiko für ihre Kolleg:innen und Patient:innen darstellt. Studierende mit chronischen Erkrankungen oder Kindern sind hier besonders stark benachteiligt. Alles in allem sind die Rahmenbedingungen im PJ nicht akzeptabel. Die Jusos erklären sich solidarisch mit der Kampagne des bvmd und schließen sich ihrer Forderungen an:

  • Standards in der Lehre im PJ durch eine flächendeckende Etablierung von PJ- Logbüchern, eines Mentoring-Systems, der Ausbildung der Studierenden durch Fachärzt:innen, sowie der kontinuierlichen Betreuung eigener Patient:innen unter Supervision.
  • Das Verbot, Studierende zur Füllung von ärztlichen Personallücken zu nutzen.
  • Das Recht, sich krankzumelden durch die Trennung von Krankheits- und Fehltagen in der Approbationsordnung.
  • Eine Aufwandsentschädigung mindestens in Höhe des jeweils aktuellen 1,5-fachen BAföG-Höchstsatzes (derzeit 1401 Euro/Monat), zu zahlen durch die Ausbildungsstätten.
  • Einen Mindestabstand von vier Wochen zwischen dem Ende des Praktischen Jahres und dem dritten Staatsexamen, der Abschlussprüfung des Medizinstudiums.