Studierende unterstützen - Psychische Gesundheit ernst nehmen

Aus RotesNetz Baden-Württemberg
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Studierende unterstützen - Psychische Gesundheit ernst nehmen

Schon vor der Corona-Pandemie waren in Deutschland jährlich ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung von psychischen Erkrankungen bzw. Symptomen betroffen, ähnliche Zahlen gelten auch für die Europäische Union. Dies trifft nicht zuletzt auch junge Menschen: Insbesondere Studierende hat es während der Corona-Pandemie hart getroffen:

In Deutschland existieren derzeit 57 organisierte Studierendenwerke.

Während in Baden-Württemberg alle 8 dieser über eine psychologische Beratungsstelle mit Ansprechpartner*innen verfügen [1], ist in den letzten Jahren - vor allem bedingt durch die Corona-Pandemie - für viele die Distanz zu Hilfsangeboten größer geworden, der Beratungsbedarf jedoch gestiegen.

Nicht nur getrieben von höheren Durchfall-/Abbruchquoten [2] mussten sich Studierende innerhalb der letzten zwei Jahre durch Online-Vorlesung und Selbststudium zwängen, oft in einer neuen Stadt, ganz allein.

Nun erfordert es schnelles Handeln: Die Folgen der Pandemie aufzuarbeiten und gerade jetzt ein Zeichen zu setzen, dass die Politik die Jugend nicht im Stich lässt, hat oberste Priorität - gerade, weil junge Menschen sich während der Pandemie besonders solidarisch gezeigt haben.

Die Jusos Baden-Württemberg fordern hierzu folgendes:

Forderung Stärkung der Studierendenwerke:

Wir fordern, dass psychologische Beratungsarbeit bestehender Studierendenwerke nicht länger auf Eigenfinanzierung angewiesen sein soll. Es soll explizit durch Ländermittel ermöglicht werden, die lokale Infrastruktur für Sozialarbeit nach Bedarf zu gewährleisten, ohne dass Semestergebühren in die Höhe wachsen. Bisher stellen Schleswig-Holstein und Sachsen ein Beispiel für die Länderbeteiligung dar.

Forderung Angebotsaufklärung & Stigmatabekämpfung:

Ebenso wissen wir, dass durch nur ausreichend Geld nicht alle Löcher zu stopfen sind. Wir Jusos Baden-Württemberg fordern, größere Aufklärungsarbeit über die bereits bestehenden Möglichkeiten, um die Entstigmatisierung von psychischen Gesundheitsproblemen aktiv voranzutreiben. Die Hochschule soll so aus Augen des Landes nicht länger allein Prüfungsstätte, sondern auch Ort des sozialen Austauschs und einen sicheren Raum für Student*innen darstellen. Forderung an die Kultusministerien und Bildungseinrichtungen der Länder:

Verstärkter Austausch der Kultusministerien mit Bildungsforschungsinstitutionen (bspw.: DIPF, IFS (TU Dortmund)), sowie Überprüfung und Weiterentwicklung der Lehrpläne, hin zu einer stärkeren Ausrichtung auf psychische Gesundheitsprävention, Ausbau der Weiterbildungsinfrastruktur (für bspw. Vertrauenslehrer*innen). Einführung eines postakademischen Ausbildungsgangs (Schulpsycholog*in), für Psycholog*innen, mit dem Ziel, praktische Fähigkeiten für das Berufsfeld Schule zu erwerben. Forderung an Schulen und Lehrer*innen: Schaffung freier Unterrichtsstunden für die psychologische Gesundheitsprävention und Aufgreifen von außerschulischen Bildungsangeboten von z.B. Vereinen (bspw. Irrsinnig Menschlich e.V.).

Forderung an die Institutionen des tertiären Bildungsbereichs:

Informationsveranstaltungen für Studierende bei welchen sich die Studierendenwerke vorstellen (psychologische Beratungsstelle, Studierendenberatung etc.), sowie verstärktes Aufzeigen der Sozialdienstleistungen der Studierendenwerke durch multimediale Kanäle.